Das Geschäft mit Cellulite

Auf unverschämte 6 Milliarden Dollar schätzt man den Betrag, den Frauen jährlich für die Bekämpfung von Cellulite ausgeben. Kein Wunder erfindet die Industrie immer wieder neue Wundermittel. Doch was nützen sie wirklich?

 

Mit der Erfindung von Cellulite (nicht zu verwechseln mit Cellulitis) als DAS grosse „Frauen-Problem“ hat sich die Schönheitsindustrie einen wahren Geldhahn aufgedreht. Bei all den Cremes, Wässerchen, Pflaster, Gels und Ölen ist es verwunderlich, dass man noch keine Zäpfchen gegen die Dellen verkauft.

 

Fakt ist: Cellulite hat sich erst seit den 1970er Jahren seinen Weg als „Problem“ in das weibliche Gedächtnis gebahnt. Davor waren die Dellen einfach normal. Photoshop hat in den letzten Jahren seinen beachtlichen Beitrag zu den perfekten Oberschenkeln und Hintern geleistet und unser Weltbild der perfekten weiblichen Figur weiter zementiert.

 

Viele glauben heute noch, dass sich die Jammertäler in der Haut bilden, weil sich „Schlacke“ ansammelt und unser Körper übersäuert ist. Die Schlackentheorie hat sich jedoch inzwischen als grober Irrtum heraus gestellt. Überhaupt gibt es bis heute keine Beweise dafür, dass sich jedwede Schadstoffe im Bindegewebe ablagern.

 

Cellulite ist schlicht und ergreifend ein natürlicher Prozess, den über 80 Prozent der Frauen nur zu gut kennen. Um überhaupt ein Kind auszutragen und zu stillen braucht Frau dehnbare Haut und jede Menge Energie. Deshalb ist es sinnvoll, dass ihr Bindegewebe elastisch ist und die Haut somit dehnbarer. Fettreserven ermöglichen einer Frau, ihr Kind auch in Notzeiten auszutragen. Dafür verantwortlich ist insbesondere das Hormon Östrogen. Aber auch Ernährung und Bewegung beeinflussen den Prozess wesentlich. Dies im Gegensatz zu all den teuren Produkten und Behandlungen. Die Süddeutsche Zeitung weist in einem spannenden Artikel über das Thema darauf hin, dass eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit im Fachblatt „Journal of the American Academy of Dermatology” im Frühjahr 2010 unter mehr als 50 dokumentierten Verfahren gegen Cellulite – und dazu gehören Cremes, Öle und Pflaster ebenso wie medizinische Eingriffe – kein einziges fand, das bei Cellulite nachweislich hilft.

 

Durchblutung und richtige Ernährung helfen

 

Was auf jeden Fall gegen unliebsame Dellen helfen kann, ist alles, was die Durchblutung der Haut fördert. Statt die Bodylotion nur einzureiben, sollte man also die Oberschenkel richtig massieren. Sport und Bewegung allgemein fördern die Durchblutung in den tieferen Hautschichten, dem Bindegewebe und den Fettdepots. In Kombination mit einer gesunden, kohlenhydratarmen, dafür eiweissreichen Ernährung schrumpfen die Fettzellen.

 

Bevor man also zu den teuren Salben greift oder gar einen medizinischen Eingriff über sich ergehen lässt, versucht man besser die bewerten Methoden. Letztlich sollte man auch seine Einstellung zu eigenen Körper in ein gesundes Verhältnis stellen und sich nicht mit den Frauen in den Hochglanzmagazinen vergleichen, denn auch Photoshop zaubert die Dellen nur auf den Bildern weg.

 

 

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